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Donnerstag, 1. Oktober 2009

Schreibübung - Titel "Die dritte Möglichkeit"

Der Abendhimmel glühte in Rot vor Schmerz. Sybilla stand am Geländer und starrte auf den Horizont. Rost, Rost, Rost, überall wo sie hinschaute. Das eiserne Geländer war mit unzähligen Rostflecken übersät, so, dass es schon wieder wie ein Muster aussah. Sybilla seufzte. Sie musste sich entscheiden. Jetzt und hier. Rechts oder links, einen anderen Weg gab es nicht von einer Brücke. Sollte sie zum alten Ufer zurückkehren? Sie hatte ihre alte Beziehung hinter sich gelassen. Ihre Tränenflüssigkeit war längst versiegt. Sie hatte nur noch trockene Tränen, wenn sie an ihn dachte.
Sie hörte jemanden rufen, aus weiter Ferne. Sie drehte sich nach links. Ein verheißungsvoller Ruf vom neuen Ufer. Die blaue Gestalt kam näher. Ob dass wohl? Aber der war doch...? Sie ging kleine, vorsichtige Schritte auf ihr neues Leben zu. Er hatte es sich tatsächlich bei ihrem letzten Treffen gemerkt, dass auf der Brücke ihr Lieblingsplatz war, ein Platz zum Nachdenken, in die Ferne blicken, das Unwichtige vom Wichtigen trennen. Es war Robert und er rannte auf sie zu. Sie beschleunigte ihre Schritte, sie wurden größer, mutiger. Sie würde es wagen. Sie umarmte ihn, als er sie in seinen langen Armen auffing. Sie blickte zur Seite und vergaß, dass sie für eine Sekunde über die dritte Möglichkeit nachgedacht hatte. Es gab nicht nur ein rückwärts zum alten Ufer und ein vorwärts zum neuen Ufer, in ihren Gedanken war sie auf das Brückengeländer gestiegen und hatte den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Die Wärme, die Roberts Körper ausstrahlte, erfasste ihre Haut. Er strahlte sie mit seinen funkelnden Augen an. "Ich konnte nicht wegfahren. Ich hatte dich vermisst." Das neue Ufer schien vielversprechend zu sein.