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Donnerstag, 19. August 2010

Read The F*cking Manual Stupid (Teil 1 von 7)

Prolog
Susanne versuchte sich zu erinnern, ob es eine Rolle gespielt hatte, dass sie zur falschen Zeit am falschen Ort war.

An jenem Montag vor zwei Jahren nahm Susanne das typische Geräusch des Staubsaugers mit jeder Faser ihres feingliedrigen Körpers wahr. Es kam ihr so vor, als ob ihre Haut mitvibrieren würde. Oder waren es ihre überstrapazierten Nerven? Sie wusste nicht, wie lange sie bereits auf den 24-Zoll-Monitor starrte. Trotz mehrmaligem Einträufeln von Kochsalzlösung – sie nannte sie künstliche Tränen – brannten die Augen wie Feuer. Da, er hatte es wieder getan. Sie fuhr aus dem sofwaregrauen Drehstuhl hoch und fluchte: „Dieser Mist-Programmierer!“ Voller Zorn gab sie dem Drehstuhl an der Lehne ordentlich Anschwung. Er rotierte ganze fünf Mal, ein neue Bestleistung. Stefan war Wiederholungstäter. Er hielt sich für den Formulierpapst und gab seine unverständlichen Witztexte ohne Susannes Zustimmung frei.

Susannes Arbeitseifer war auf einem persönlichen Tiefstand angelangt. Sie zuckte zusammen, als ihre Chefin neben der mit grauem Stoff bespannten Stellwand auftauchte. „Störe ich?“, fragte sie mit einem vorwurfsvollen Unterton. Susanne bewegte reflexartig ihre blonde Mähne hin und her. „Nein, gar nicht.“ Die Chefin war mit einem großen Schritt an Susannes Computer und klickte sich durch zahlreiche freigegebene Softwaretexte. Sie markierte die Texte mit der Maus. Susanne fiel es schwer, frei durchzuatmen, denn auf dem Monitor war eindeutig zu lesen, dass sie für die Texte zuständig war. In ihren Fingerspitzen kribbelte es. Sie hätte diesen Stefan am liebsten wie den Froschkönig an die Wand geschmissen. „Nervös?“, fragte die Chefin. Wie alles um der Welt sollte sich Susanne da rausreden? Dieser Misttyp hatte tatsächlich seine Texte unter ihren Transportauftrag für das Auslieferungssystem eingefügt. Es sah so aus, als ob sie es freigegeben hätte. Sie registrierte, dass die Chefin rote Flecken am Hals bekam. Das bedeutete roter Alarm. „Kümmer dich um das Problem, sonst kümmer ich mich um dich“, sagte ihre Chefin. Dann entschwand sie im grauen Meer der Stellwände.

Der Tacker flog weit. Wieder eine neue Bestleistung. Er landete direkt in der privaten Sammlung von gut zehn leeren Plastik-Colaflaschen, die auf dem Aktenschrank gegenüber standen. Im Hintergrund hörte sie, wie die Putzfrau verzweifelt versuchte, das Grau des Teppichbodens einzusaugen. Susanne meinte das Brummen eines ganzen Schwarmes Hornissen zu hören. Ihr Schädel war kurz vorm Explodieren. Ohne sich von den einzelnen Programmen abzumelden, trat sie mit der Schuhspitze ihres Pumps die Steckdosenleiste aus. Der Monitor war sofort schwarz. Ein beruhigendes Bild. Sie atmete tief aus, schnappte sich ihre Tasche und hoffte auf einen entspannenden Feierabend mit ihrem Mann Viktor. Schwungvoll stieß sie die Glastür auf.