Samstag, 21. August 2010
RTMFS (Teil 6 von 7)
Viktor startete die Konversation. „Nun, Susanne, weswegen bin ich hier?“ Er schickte Wehe-du-fasst-meine-Frau-an-Blicke zu Stefan. Die Putzfrau blieb in der Ecke stehen und nahm einen tiefen Zug aus ihrer Zigarette. Susanne hob die Stimme an, um den Krach zu übertönen. „We-gen Ste-fan.“, schrie sie fast. Stefan deutete mit dem Zeigefinger ungläubig auf sich. „Wegen mir?“ Sie erhob sich und wartete ab, bis die Putzfrau Viktor bat aufzustehen, um die Sessel abzusaugen, immer noch die Kippe im Hals. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, für die richtigen Worte zur richtigen Zeit, eben wie es sich für eine ordentliche technische Redakteurin gehörte, so wie sie es eine war – mit Leib und Seele. Sie hob den Kopf an, schob den Brustkorb nach vorne und schrie Viktor an, um den Lärm der Maschine zu übertönen. „Du stellst uns also vor die Wahl?“ Viktor hatte mit solchen Worten nicht gerechnet. Ebenso Stefan nicht, als Susanne zu ihm schrie:“Wegen dir würde ich ihn nie verlassen.“ Sie nutzte den Schock, den sie damit auslöste. Die Putzfrau war nah genug, um die Worte zu speichern. Und sie war nah genug, um sich der peinlichen Situation bewusst zu werden, um ganz schnell um die nächste Ecke zu verschwinden. Sie war außer Hörweite, als Viktor die Faust in Richtung Stefan ballte. „Susanne, sag, dass das ein Scherz war.“ Sie zwinkerte. Viktor fuhr aus dem Sessel hoch. „Darüber kann ich nicht lachen.“ Stefan beäugte die Kurven seiner scharfen Kollegin und höhnte. „Ich nehme es ihr nicht krumm.“ Sie musste sich zwischen die beiden stellen, um einen Angriff Viktors zu vermeiden. Sie raunte Viktor den Satz zu, von dem sie hoffte, dass er bei ihm fruchtete:„Wie wäre es mit einem Quickie?“ Und Viktors Augen funkelten. Stefan drückte mit den Fingern auf seine Ohren, weil er dachte, er hätte sich verhört. Fasziniert verfolgte er, wie Viktor Susanne zur Damentoilette begleitete. Viktor schob Susanne durch die Tür. In Sekundenschnelle entblößte er seine Männlichkeit. Sie spürte, dass es jetzt ans Eingemachte ging. Verlegen zeigte sie auf eine Toilettentür. „Ich muss noch mal.“ Er war keinen Deut misstrauisch, sondern grinste. „Lass ihn nicht zu lange warten.“ Sie schloss die Tür ab, montierte den Deckel des Wasserspülkastens leise ab, fingerte ein Päckchen in Plastikfolie heraus und befreite es von der Verpackung. Die Latexhandschuhe streifte sie zuerst über, dann griff sie nach dem großen Inhalt des Päckchens und steckte ihn vorne unter den Jeansbund, verdeckt von ihrer weiten, blauen Bluse mit großem Ausschnitt. Rasch holte sie ihre künstlichen Tränen aus der Hosentasche, kippte den Kopf nach hinten und träufelte sie in die Augen. Ihr Mascara zeigte herrliche Schmierer. Sie schloss die Toilettentür auf, ging zu Viktor, griff nach der Pistole mit Schallschutzdämpfer, legte an seiner Schläfe an und schoss. Blut floss aus seinem Kopf. Ein „Was?“ formten seine Lippen, ein „Oh, nein!“ sagten seine Augen. Er kippte nach hinten, klatschte auf die weißen Fliesen. Der zweite Schritt ihres Planes war erledigt. Sie hatte Möglichkeit c) gewählt.
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