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Sonntag, 5. September 2010

Himmel oder Hölle (Teil 6 von 7)

Kapitel 6: Hoffnung?
Ich stehe am gekippten Wohnzimmerfenster. Meine Frau neigt ihren Kopf. Blonde Strähnen fallen ihr ins Gesicht, als sie von ihrem Stuhl aufsteht. „Was ist da los?“ Sie steht so nah bei mir, wie schon lange nicht mehr. Ich rieche den Duft ihrer Haare, ihrer Haut. Was ist aus uns geworden?
Sie streift mit ihren Worten mein Herz. „Singen die beiden für uns?“ In ihren Augen sind Tränen. Ich hebe meine Hand, nehme sie mit meinem Zeigefinger auf. Sie riechen salzig. Tränen der Freude, denke ich. Sie legt ihren Arm um mich. „Hast du nicht auch das Gefühl, dass es ein Zeichen ist?“ Ich fühle mich blind. Warum habe ich es nicht gesehen? Der Mann in schwarz. Ich in schwarz. Wir haben nicht nur diese äußere Schale gemeinsam. Wir suchen beide nach Hoffnung, auf eine bessere Welt, bessere Zukunft. Ich erhebe meinen Kopf. Er war schon so lange gesenkt. Ich gehe nach draußen. Nach draußen zu dem alten Mann und dem Mädchen. Ich singe den Refrain mit. „Täh-tih, täh-tih, simm-täh tih.“ Ich singe in einer Sprache, die ich nicht spreche. Aber ich liebe die Melodie.
Meine Frau, sie steht auf der Türschwelle. Sie zögert. Der alte Mann. Er winkt sie heran. Mit mühsamen kleinen Schritten nähert sie sich. Dann ein plötzlicher, großer Schritt. Ein Schritt ihres Herzens. Sie hat mit ihrem Herzen entschieden. Sie stellt sich zu dem kleinen Mädchen, das sie einst war. Wir singen gemeinsam. Und wir beginnen zu tanzen. Obwohl es regnet. Obwohl es regnet, sind wir fröhlich auf unserem Weg zu uns selbst. Und sind dankbar für die Menschen, denen wir begegnen.