10. Februar 2011 - "Kann ich wirklich singen?" Diese Frage spukt in meinem Schädel bereits seit einer Stunde herum. Früher war alles so einfach, oder ich hatte damals diesen Filter, sprich die rosarote Kinderbrille an. Lustig und vergnügt trällerte ich auf Wanderungen "Das Wandern ist des Müllers Lust" aus voller Brust - wie ich später erfahre muss ich meine Atmung auf den Bauch verlagern.
Im Kinderkirchenchor liebte ich es zu singen. Selbst im Konfirmandenunterricht sagte ich - zum Entsetzen aller Mitkonfirmanden - dass ich gerne mehr in der Kirche singen würde. Im Schulchor blickte mir Schwester Bernadis direkt in die Mandeln und meinte, dass ich wohl eine Alt-Stimme hätte. Ich rätsle noch heute, wie sie das wohl gemeint haben könnte.
Als ich dann den Auto-Führerschein hatte, trällerte ich , natürlich nur, wenn ich allein war, zu Liedern von Cure, eigentlich hechelte ich mit - so wie bei "Close To Me". Ich gebe es zu, in den 80ern bei einem a-ha-Konzert gewesen zu sein. Und ich verlor zwar nicht mein Gehör, aber meine Brille. Vielleicht hat sie einer von a-ha gefunden und sagte: "He, wow, was für eine coole pinke Hornbrille." Der Gedanke ist jedenfalls ganz nett.
Aber nun stehe ich vor diesen drei abgetretenen Steinstufen und soll da ins Tonstudio rein. Draußen steht eine nervöse Mutter, die vom Singen der 15jährigen Tochter ausgeschlossen wurde. Ja, was fürchtet man schon mehr als die Kritik der eigenen Mutter...es kommt mir so bekannt vor. Dann öffnet sich die Glastür und eine grinsende Tochter kommt heraus und ich darf die Stufen emporsteigen. Ich weiß überhaupt nicht, was auf mich zukommt. Es ist meine Schnupperstunde. Und nun stelle ich fest, dass ich kein Lieblingslied mitgebracht habe.
Beatles, Beatles geistert es mir durch den Kopf. Müsste eigentlich spontan zu singen sein. Let it be, ja der Text ist gut, kann ich mich mit identifizieren.
Oh, ich soll ans Mikro? Ich habe nun Pudding in den Kniegelenken. Im Hintergrund singt zum Glück Paul McCartney. Vor mir sitzt ein Mini-Publikum von drei Leuten. Ich versuche den Text taktgenau nachzusingen. Oh, Gott, singe ich schief? Wird jetzt die Milch in den Kühlregalen vom Marktkauf sauer?
Dann habe ich es geschafft. Verdammt, war ich mutig. Und nun gehe ich auch grinsend aus dem Laden. Ich fühle mich leicht, beschwingt. Irgendwie gut.
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